Startfinanzierung

Startfinanzierung planen: Eigenkapital, Förderungen und Kredite für Gründer

Startfinanzierung umfasst mehr als die Bezahlung der Gründung. Wer nur Anmeldung und erste Rechnungen bedenkt, plant zu kurz.

Startfinanzierung planen: Was vor der Gründung auf den Tisch gehört

Startfinanzierung umfasst mehr als die Bezahlung der Gründung. Wer nur Anmeldung und erste Rechnungen bedenkt, plant zu kurz. Vier Punkte gehören dazu: Kapitalbedarf vor der Gründung, Finanzierung der Anlaufphase, persönlicher Kapitalbedarf für den Lebensunterhalt und eine Reserve für Rückschläge.

Diese Größen greifen ineinander. Ein Betrieb ohne Umsätze in den ersten Monaten braucht dennoch Miete, Versicherungen, Material und Beratung; parallel läuft der Alltag zu Hause weiter. Wer die Posten getrennt betrachtet, unterschätzt den Bedarf systematisch.

Für die Finanzierung stehen drei Bausteine bereit: Eigenkapital, Förderungen und Subventionen sowie Fremdkapital in Form von Krediten. Sie schließen einander nicht aus, sondern werden in der Praxis kombiniert. Die Planungsreihenfolge ist dennoch klar: zuerst der Bedarf, dann der Mix.

In Österreich sind zwei Anlaufstellen besonders relevant: die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), Förderbank des Bundes für Gründungen mit Innovationsbezug, und die Gründerservices der Wirtschaftskammern, die in jedem Bundesland Gründungsberatung und Unterstützung bieten.

Kapitalbedarf statt Wunschdenken: Gründungskosten, Anlaufphase und Privatbedarf

Der Kapitalbedarfsplan ist ein maßgeblicher Teil jedes Businessplans – egal, ob aus Erspartem oder mit Darlehen finanziert wird. Eine gründliche Bedarfsplanung gehört zum Einmaleins jeder Gründungsvorbereitung.

Jedenfalls zu ermitteln sind: Kapitalbedarf vor der Gründung, Kapitalbedarf für die Anlaufphase, persönlicher Kapitalbedarf für den Lebensunterhalt und die Finanzierung dieser Größen – einschließlich einer allfälligen Fremdfinanzierung durch Förderungen oder Subventionen.

Die Gründungskosten hängen von mehreren Variablen ab: vom Arbeitsgebiet und von der gewählten Rechtsform. Ebenso maßgeblich ist, ob ein Einzelunternehmen gegründet oder eine Gesellschaft betrieben wird. In die erste Phase fallen typischerweise Beratungen, Notar oder Rechtsanwalt sowie Gebühren für Anmeldungen und Genehmigungen.

Häufig wird der Bedarfsplan zu knapp kalkuliert. Wer nicht weit genug rechnet, bleibt finanziell auf halber Strecke stecken – weil die Geschäfte langsamer anlaufen als erhofft oder unvorhergesehen mehr Geld nötig wird. Deshalb gehört immer ein finanzieller Puffer in die Planung, der auch den einen oder anderen Rückschritt glättet.

Checkliste: Was gehört in den Finanzierungsplan zur Gründung?

  • Kapitalbedarf vor der GründungBeratung, Notar, Rechtsanwalt, Gebühren
  • Kapitalbedarf für die AnlaufphaseMiete, Versicherungen, Material, Marketing
  • Persönlicher Kapitalbedarf für LebensunterhaltLebenshaltungskosten während der Umsatzlosphase

Eigenkapital: Richtwert 20 bis 30 Prozent – und warum die Branche zählt

Eine allgemeingültige Eigenkapitalquote existiert nicht. Die Wirtschaftskammer Österreich nennt in ihren „Dos and Don'ts Eigenkapital“ 20 bis 30 Prozent Eigenkapitalquote als Richtschnur, betont aber ausdrücklich, dass es keine allgemeingültige Regel gibt, weil stets die Branche zu berücksichtigen ist.

Die Richtschnur ist ein Orientierungswert, keine Zulassungsschwelle. Ein Betrieb mit hohen Vorleistungen, Lager oder Maschinen braucht mehr Substanz als ein Dienstleistungsunternehmen, das überwiegend mit eigener Arbeitsleistung startet. Die Branche entscheidet also, wo innerhalb der Bandbreite die eigene Zielgröße liegt.

Für Banken hat Eigenkapital vor allem eine Funktion: Es zeigt, dass die Gründerin oder der Gründer selbst Risiko trägt. Wer eigenes Kapital einsetzt, hat mehr zu verlieren – für Kreditgeber ein Signal, dass die Planung ernst gemeint ist.

Gründerinnen und Gründer können ihren Eigenkapitalanteil erhöhen, etwa durch Erspartes oder verwertbares Vermögen. Daneben kommen informelle Geldgeber aus dem persönlichen Umfeld in Frage. Auch das Neugründungs-Förderungsgesetz setzt Anreize, weil Neugründer und Übernehmer bevorzugt werden – dafür ist allerdings eine Beratungsbestätigung der Wirtschaftskammer erforderlich.

Richtwerte für Eigenkapital bei der Gründung in Österreich

Empfohlener Eigenkapitalanteil
20 bis 30 Prozent
Bedeutung des Eigenkapitals für Banken
Signal für eigenes Risikobewusstsein

Förderungen finden, prüfen, beantragen: aws, Gründerservices und Fördercheck

Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) ist die Förderbank des Bundes und bietet Förderungen zur Gründung von Unternehmen mit Innovationsbezug. Wer mit einer klassischen Dienstleistungsidee startet, wird dort unter Umständen nicht fündig – wer Forschung, Entwicklung oder eine neuartige Lösung mitbringt, eher.

Für die breite Gründungsberatung sind die Gründerservices der Wirtschaftskammern in den Bundesländern die erste Anlaufstelle. Sie beraten zum Vorhaben und stellen – etwa über den Gründerservice, die Bezirksstelle oder die Fachgruppe – auch die Beratungsbestätigung aus, die für Begünstigungen nach dem Neugründungs-Förderungsgesetz notwendig ist.

Zusätzlich bieten Banken einen kostenlosen Fördercheck an. Der ersetzt keine Förderberatung, hilft aber, das Feld zu ordnen und zu erkennen, welche Programme überhaupt in Frage kommen könnten.

Für die Verwaltungswege gibt es das Unternehmensserviceportal (USP): Dort sind Formulare und Informationen für die Gründung von Einzelunternehmen, Ein-Personen-GmbHs und Ein-Personen-FlexKapGs gebündelt; die Gründung samt Firmenbuchanmeldung kann elektronisch erfolgen und mit der Handy-Signatur unterschrieben werden.

Im Finanzierungsplan werden Förderungen nicht als fixe Einnahme eingeplant, sondern mit einem realistischen zeitlichen Verlauf. Zwischen Antrag, Prüfung und Auszahlung vergeht Zeit, und nicht jedes eingereichte Vorhaben wird genehmigt. Die Startfinanzierung muss daher auch dann funktionieren, wenn eine Förderung erst später oder gar nicht kommt.

Kredite und Bankgespräch: Vom Startkredit bis zur Sicherheit

Fremdkapital ist sinnvoll, wenn eine Investition dem Unternehmen über die Anlaufphase hinaus etwas bringt – etwa bei Einrichtung, Maschinen, Fahrzeugen oder einem Warenlager, das sich über die Zeit wieder in Umsatz verwandelt. Startkredite sind in dieser Phase das klassische Instrument; Banken bieten sie speziell für die Umsetzung einer Geschäftsidee an.

Ein Kredit ersetzt jedoch kein Eigenkapital. Je höher die Eigenkapitalbasis, desto geringer das Risiko für den Kreditgeber und desto besser die Verhandlungsposition. Ebenso wichtig: Die Rückzahlung muss aus dem laufenden Betrieb leistbar bleiben – die nötigen Zahlen liefert der Kapitalbedarfsplan.

Für das Bankgespräch braucht es drei Dinge: einen Businessplan, der Vorhaben und Tragfähigkeit erklärt, den Kapitalbedarfsplan mit Gründungs-, Anlauf- und Privatbedarf sowie einen Nachweis über das eingebrachte Eigenkapital. Der Businessplan schafft Klarheit, hilft beim Erkennen von Schwachstellen und dient als praktischer Leitfaden für die Gründung.

Viele Banken unterstützen die Vorbereitung mit eigenen Angeboten – von der kostenlosen Gründerberatung vor Ort über Gründer-Center bis zu Geschäftskonten und Kreditrechnern. Ein Beratungsgespräch vor der Gründung ist daher kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Teil der Vorbereitung.

Eigenkapital, Förderung und Kredit richtig mischen

Die drei Bausteine haben unterschiedliche Aufgaben. Eigenkapital bildet die Basis und trägt das Risiko. Förderungen und Subventionen ergänzen die Finanzierung, sind aber nicht so planbar wie Eigengeld. Kredite sollen größere Investitionen finanzieren, die sich über die Nutzung wieder rechnen.

Wer die Rollen verwechselt, gerät in Schwierigkeiten: Ein Kredit, der eigentlich die Anlaufphase überbrücken soll, wird zur Dauerlast. Eine Förderung für eine Anschaffung darf nicht gleichzeitig als Sicherheit für den Lebensunterhalt eingeplant werden.

Konkret: Zuerst den Gesamtbedarf rechnen, dann das vorhandene Eigenkapital davon abziehen, dann Fördermöglichkeiten prüfen und erst danach festlegen, welcher Teil über einen Kredit abgedeckt wird. Über alle drei Bausteine hinweg bleibt ein Puffer für unvorhergesehene Kosten und Rückschläge.

Der Puffer ist keine Notfallreserve, sondern ein normaler Bestandteil der Kalkulation. Die Anlaufphase verläuft selten wie im Plan – genau dafür sollte finanzieller Spielraum da sein.

Vorteile und Nachteile von Eigenkapital, Förderungen und Krediten

Eigenkapital
Vorteile: Stabilität, bessere Kreditkonditionen; Nachteile: Verzicht auf liquide Mittel
Förderungen
Vorteile: Kostenersparnis, kein Rückzahlungsdruck; Nachteile: lange Bearbeitungszeiten, nicht garantiert
Kredite
Vorteile: schnelle Finanzierung großer Investitionen; Nachteile: Zinslast, Rückzahlungsverpflichtung

Rechtsform und Gründungskosten: Einzelunternehmen, GmbH oder FlexKapG

Die Rechtsform bestimmt mit, welche Kosten vor dem Start anfallen und wie aufwändig die Formalitäten sind. Bei einem Einzelunternehmen fallen Gebühren für die Gewerbeanmeldung an. Wird eine Gesellschaft gegründet, braucht es einen Gesellschaftsvertrag, der durch einen Rechtsanwalt oder einen Notar entworfen und beglaubigt wird; Gesellschaften sind zudem ins Firmenbuch einzutragen, wodurch Kosten für Rechtsberatung und Firmenbucheintragung entstehen.

Seit 1.1.2024 kann in Österreich die neue Rechtsform „Flexible Kapitalgesellschaft“ (FlexKapG) gegründet werden, die speziell auf die Bedürfnisse innovativer Unternehmen zugeschnitten ist. Es ist die erste neue nationale Rechtsform seit über 100 Jahren.

Die FlexKapG bringt gegenüber der GmbH bedeutsame Erleichterungen bei Formvorschriften und bietet flexible Kapitalmaßnahmen, die vormals nur bei einer Aktiengesellschaft möglich waren. Mit den Unternehmenswert-Anteilen gibt es zudem eine eigene Anteilsklasse zur Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Für die Startfinanzierung bedeutet die Rechtsformwahl zweierlei: Sie beeinflusst die Gründungskosten im Kapitalbedarfsplan und die späteren Möglichkeiten, Kapital aufzunehmen oder Mitarbeitende zu beteiligen. Beide Punkte gehören daher in die Planung, bevor der Gesellschaftsvertrag aufgesetzt wird.

Vergleich der Rechtsformen: Einzelunternehmen vs. GmbH vs. FlexKapG

Gründungskosten
Einzelunternehmen: niedrig | GmbH: mittel-hoch | FlexKapG: mittel
Formalitäten
Einzelunternehmen: einfach | GmbH: komplex | FlexKapG: flexibel und vereinfacht
Mitarbeiterbeteiligung möglich?
Einzelunternehmen: nein | GmbH: eingeschränkt | FlexKapG: ja (mit Unternehmenswert-Anteilen)

Finanzierungsfahrplan für die ersten Schritte

Ein möglicher Ablauf für die Finanzierungsplanung: zuerst den Kapitalbedarf berechnen – gegliedert in Bedarf vor der Gründung, Anlaufphase und persönlichen Lebensunterhalt. Danach den Businessplan erstellen, dessen maßgeblicher Teil der Kapitalbedarfsplan ist. Anschließend prüfen, wie viel Eigenkapital tatsächlich vorhanden ist und ob es – etwa durch Erspartes, Vermögen oder informelle Geldgeber – erhöht werden kann.

Im nächsten Schritt Förderungen recherchieren: bei der aws für Vorhaben mit Innovationsbezug, bei den Gründerservices der Wirtschaftskammern für die allgemeine Gründungsberatung und die Beratungsbestätigung sowie über einen Fördercheck bei der Bank. Erst danach folgt die Vorbereitung des Bankgesprächs mit Businessplan, Kapitalbedarfsplan und Eigenkapitalnachweis.

Am Ende steht die Frage, ob der Finanzierungsmix tragfähig ist: Eigenkapital als Basis, Förderungen und Subventionen als Ergänzung, Kredit für größere Investitionen – und darüber ein Puffer für unvorhergesehene Kosten und Rückschläge. Wer diesen Puffer einplant, kann auch dann weitermachen, wenn die ersten Monate anders verlaufen als geplant.

Unterstützung gibt es während des ganzen Weges: die Gründerservices der Wirtschaftskammern sowie die Gründungsleitfäden und Formulare im Unternehmensserviceportal. Die dort verfügbaren Informationen und Formulare decken die Gründung von Einzelunternehmen, Ein-Personen-GmbHs und Ein-Personen-FlexKapGs ab.

Finanzierungsfahrplan für die ersten Schritte nach der Gründungsidee

  1. 1. Kapitalbedarf berechnenBedarf vor Gründung, Anlaufphase und persönlicher Lebensunterhalt
  2. 2. Businessplan erstellenMit Kapitalbedarfsplan als zentralem Teil
  3. 3. Eigenkapital prüfen und erhöhenErspartes, Vermögen oder informelle Geldgeber nutzen
  4. 4. Fördermöglichkeiten recherchierenaws für Innovationen, Gründerservices der WKÖ, Fördercheck bei Banken
  5. 5. Bankgespräch vorbereitenBusinessplan, Kapitalbedarfsplan, Nachweis Eigenkapital
  6. 6. Finanzierungsmix überprüfenEigenkapital als Basis, Förderungen als Ergänzung, Kredit für Investitionen – mit Puffer

Quellen

  1. bmwet.gv.at/Themen/Wirtschaftsstandort-Oesterreich/Unternehmensg…
  2. ots.at/presseaussendung/OTS_20090824_OTS0124/mitterlehner-n…
  3. insolution.at/detail/eigenkapital-bei-der-unternehmensgruendung-wi…
  4. wko.at/gruendung/dos-donts-eigenkapital
  5. sparkasse.at/sgruppe/gruender
  6. transparenzportal.gv.at/tdb/tp/leistung/1002591.html
  7. wko.at/oe/gruendung/leitfaden-gruendung.pdf
  8. bmluk.gv.at/dam/jcr:0e19b0a7-f3a0-4202-bbdf-855d83db6537/38_Eval…